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Tour 2005



Radtour Bad Schandau - Hamburg (730 km)


Ich hatte mir vorgenommen jedes Jahr eine längere Radtour zu machen. In diesem Jahr also die die Elberadtour.

Die gesamte Radtour beginnt in Prag und endet an der Elbemündung in Cuxhaven. Wobei der Radweg von Prag bis Melnik entlang der Moldau führt, ab Melnik dann entlang der Elbe. Das entspricht einer Weglänge von ca. 960 km.
Da ich nur 7 Tage Zeit hatte und mir die Anreise per Bahn (mit Fahrrad und Ausrüstung) bis nach Prag zu umständlich war, sollte die Tour von Bad Schandau nach Hamburg gehen. Das waren dann mit kleinen Umwegen ca. 730 km.
Meine Ausrüstung: Fahrrad, Zelt, Schlafsack, Isomatte, Wechsel- und Regenkleidung, Werkzeug, Fotoapparat und Radkarten.
Dies ist nun schon meine zweite Flussradtour. Die Saale- Radtour im vorigen Jahr war auch schön, aber sehr anstrengend. Zumindest von Zell bis kurz vor Jena, da der Radweg über Rennsteig und Thüringer Schiefergebirge führt.



Als kleine Hilfestellung für alle, die eine größere Radtour  planen, möchte ich die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände etwas genauer beschreiben.

  • Fahrrad


Tourenrad 28" (GIANT), mit stabilem Gepäckträger, Geländebereifung, Schutzbleche. Fahrräder aus dem Baumarkt oder vom Discounter sind nicht zu empfehlen. Diese sind meist zu schwer und den hohen Belastungen während der Tour nicht gewachsen. Hier nicht am falschen Ende sparen, Qualität hat nun mal ihren Preis. Am besten kauft man sein Rad bei einem Händler mit eigener Werkstatt und lässt es vor der Tour noch einmal durchchecken.

  • Fahrradtaschen


Für den Gepäckträger:
"Ortlieb Classik- Gepäcktaschen mit Rollverschluss", Befestigungssystem: Quick-Look 1.
Preis für das Paar: ca. 100 €. Diese Taschen gibt es in vier Farben.
Da man als Radfahrer im Straßenverkehr oft übersehen wird, habe ich mich für Taschen in knalligen Gelb entschieden.
Die Ortlieb- Taschen sind extrem stabil und absoluten Wasserdicht.
Sie sind mit ihrem Klick- Befestigungssystem sehr schnell montiert und demontiert. Dies ist von Vorteil, wenn man allein unterwegs ist und das Rad in den Zug einladen will. Gerade auf kleinen Bahnhöfen gibt es keine erhöhten Bahnsteige, auch sind die Zugtüren zum Teil sehr eng. Da ist es von Vorteil, wenn man die Radtaschen schnell ausklinken und Rad und Taschen getrennt einladen kann.
Ein weiterr Vorteil ist ihr Rollverschluss. Egal wie voll die Taschen gepackt sind, den Rollverschluss kann man immer so anpassen, dass die Taschen prall sind und nicht bei halben Inhalt schlaff am Rad schlenkern.

Für den Lenker:

Für Kleinigkeiten, welche man schnell zur Hand haben muss, wie Fotoapparat, Handy, Geld Ausweis, Radkarte macht sich eine Lenkertasche gut. Diese sollte ebenfalls ein Klickbefestigungssystem haben, um sie schnell vom Rad abklinken zu können, wenn man etwas einkaufen will oder sein Rad irgendwo anschließt um sich etwas anzusehen. Diese Lenkertaschen kosten mit einer Klarsichttasche für Radkarten ca. 50€.

  • Zelt


"Weight Watcher RT" von Jack Wolfskin. Preis ca.150 €.
Ein kleines leichtes Einmanzelt (2,1kg) mit ausreichend großem Stauraum.
Dieses Zelt ist schnell und unkompliziert auf- und abgebaut. Es ist absolut Wasserdicht und sehr stabil.
Aber auch da gibt es Grenzen........siehe Tourtagebuch (1.Tag)

  • Radkarten


Elberadweg Teil 1 und Teil 2 von "bikeline".
Preis je Karte ca. 12,00 €.
Es sind Klappkarten mit Ringheftung in einem praktischen Format, welche in die gängigsten Kartentaschen passen. Die Karten sind übersichtlich gegliedert und ziemlich genau.

Achtung:
Manche Landkreise oder Kommunen ändern gelegentlich die Wegführung der Radwege. Viele Radwege wurden auch nach der Flut 2002 an anderer Stelle neu angelegt. Dabei wurde aber zum Teil die Beschilderung nicht angepasst oder völlig vergessen.
Der Elbe-Radweg ist sehr viel schlechter ausgeschildert als der Saale- Radweg. Besonders in Großstädten wie Dresden, Wittenberg, Magdeburg oder Hamburg kann man sich verfahren.


  • Fahrradcomputer


Es reicht ein Gerät mit folgenden Anzeigen:
Gesamtstrecke, Tagesstrecke, Uhrzeit, Geschwindigkeit, effektive Fahrzeit. Diese Geräte kosten ca.15 €. Alle weiteren Funktionen sind meiner Meinung nach nur Spielerei, außerdem wird die Handhabung zu kompliziert. Wichtig ist, dass man das Gerät entsprechend dem jeweiligen Raddurchmessers kalibriert.

  • 1. Hilfe Ausrüstung


Eine 1. Hilfe Grundausstattung sollte immer dabei sein !

  • Werkzeug


Im Fahrradhandel gibt es Grundausstattungen in den verschiedensten Ausführungen. Notwendig sind die gängigsten Schlüsselgrößen,  zwei Schraubendrehergrößen, Flickzeug, Montierwerkzeug,  kleine Zange und eine Rolle Isolierband.

  • Kleidung


Radhose mit Polstern. Ein enganliegendes Oberteil aus Funktionsfaser. Für kühlere Tage oder Fahrten am frühen Morgen, eine Weste aus winddichtem Material. Eine Regenjacke aus Goretex und Wechselkleidung für den Abend, mehr braucht man meist nicht.
Wichtig ist außerdem  Radhelm, Brille und Sonnenschutzcreme.

  • Allgemein


Nur nicht zu viel mitnehmen. Auf langen Strecken und in den Bergen spürt man jedes überflüssige Kilo. Da man sich in Deutschland auch auf abgelegenen Wegen immer noch in bewohnten Gebieten bewegt, kann man sich unterwegs die Dinge kaufen, die man doch noch benötigt oder vergessen hat.

Tourtagebuch




  • 1. Tag


Strecke: Bad Schandau - kurz vor Meißen
Länge: 72,5 km
Übernachtung: Campingplatz Rehbocktal
Zugfahrt von Gotha bis Bad Schandau.
Ankunft Bad Schandau: 12 Uhr.
Von Bad Schandau bis Dresden reger Verkehr auf dem Radweg. Kurz vor Dresden zeichnete sich das Unwetter schon ab. Ich musste ganz schön strampeln, damit es mich nicht vor Dresden auf freier Strecke erwischt. Die erste Unwetterwelle verbrachte ich unter einer Brücke in Dresden. Hagel, Gewitter, Sturm (ca. 1 Stunde).
..........Weiterfahrt. Ich wollte es noch bis zum Zeltplatz Mühlberg (zwischen Meißen und Torgau) schaffen.
Kurz hinter Radebeul begann es erneut zu regnen. der nächste Zeltplatz ist kurz vor Meißen, "Camping Rehbocktal". Habe es gerade noch bis dahin geschafft und das Zelt aufgebaut. Das Wetter der nächsten Stunden hätte fast das Ende der Tour bedeutet. Über dem Zeltplatz ging eine Wasserhose nieder. Danach die ganze Nacht heftiger Dauerregen. Der Boden unter dem Zelt wurde weggespült, das Zelt sackte in die  Senke und das Wasser schwappte in das Zelt.



  • 2. Tag


Strecke: Rehbocktal - Mühlberg
Länge: 54 km
Übernachtung: Campingplatz Mühlberg
Am nächsten Morgen war der Schlafsack nass wie ein Schwamm, die Isomatte schwamm im Zelt umher.
Da nicht nur die Ausrüstung sondern auch die Kleidung nass waren, stellte ich mir ein Zeitlimit. Wenn bis Mittag die Wolkendecke nicht aufreißt, damit ich die Sachen trocknen kann, breche ich die Tour ab.
Also fuhr ich frierend und völlig durchnässt los.
Gegen Mittag war endlich die Sonne zu sehen. Es wurde sehr warm. Der nächste Zeltplatz war Mühlberg, den ich eigentlich schon am ersten Tag erreichen wollte. Ankunft hier gegen 12 Uhr. Alles ausgepackt und in die Sonne zu Trocknen gelegt.
Bis auf den Schlafsack war bis zum Abend alles trocken.



  • 3. Tag


Strecke: Mühlberg - Coswig (Anhalt)
Länge: 110 km km
Übernachtung: bei meinem Schwager
Schöne Strecke, den ganzen Tag Sonnenschein, Gegenwind. Zum Teil verwirrende Beschilderung. In Wittenberg habe ich mich mehrmals verfahren.



  • 4. Tag


Strecke: Coswig - Campingplatz Colbitz
Länge: 145 km km
Übernachtung: ´Campingplatz Colbitz
Sehr schlechte, zum Teile keine Beschilderung. Sehr warm, Gegenwind. Hinter Magdeburg die Wasserwegekreuzung Elbe - Havelkanal mit Schiffshebewerk.
Wollte eigentlich zum Zeltplatz "Sandkrug" hinter Rogätz. Dieser Zeltplatz war aber nur eine Wiese an einem Wassertümpel. Ohne Toilette, ohne Schatten, keine Umzäunung, belagert von grölenden, betrunkenen Jugendlichen. Das sollte dann auch noch 5€ pro Nacht kosten.
Also machte ich einen Umweg zum Zeltplatz Colbitz ( 15 km abseits der Strecke)



  • 5. Tag


Strecke: Campingplatz Colbitz - Abbendorf (hinter Havelberg)
Länge: 97 km km
Übernachtung: Wiese hinter einem Landgasthof
Schöne Strecke, besonders die Umgebung um Havelberg. Bin heute total erschöpft und habe Bauchschmerzen. Den ganzen Tag über 30°C und Gegenwind.
Der heutige Übernachtungsplatz ist im Radführer als Campingplatz angegeben, es ist zwar nur eine Wiese hinter einem Landgasthof aber der Wirt lässt einen kostenlos sein Zelt aufstellen und auch die Toiletten im Gasthof benutzen. Duschen kann man an einer Gartenschlauchdusche. Am nächsten Morgen gibt es ein großes Frühstücksbuffet für 5€.
Der Wirt und seine Frau sind sehr nette Leute, welche sich rührend um ihre Gäste kümmern. Das Essen schmeckt ausgezeichnet. Für die Fischgerichte wird der Fisch direkt vom Fischer gegenüber geholt.
Sehr empfehlenswert !!!



  • 6. Tag


Strecke: Abbendorf - Klein Kühren (bei Neu Darchau)
Länge: 122 km km
Übernachtung: Zeltplatz Klein Kühren.
Schöne Landschaft. Radweg fast immer auf dem Deich. Gegenwind. Zwischen Hitzacker und Neu Darchau unerwartet steile Anstiege bis zu 15% !!
Die ganze Nacht Regen.





  • 7. Tag


Strecke: Klein Kühren - Hamburg
Länge: 110 km km
Morgens Regen. Von einem Dauercamper erfuhr ich, dass es den ganzen Tag weiter Regnen würde.
Super Aussicht.
Was also tun? Den ganzen Tag im nassen Zelt sitzen oder im Regen losfahren?
In der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch besseres Wetter würde, packte ich das nasse Zelt ein und fuhr los.
Na also der Regen ließ nach....für ca. 1 Stunde. Danach Dauerregen bis Hamburg. Aber kein Wind.
In Hamburg keine Beschilderung mehr. Durchfragen zum Hauptbahnhof. Bei dem starken Regen wollte niemand stehen bleiben und mir den Weg erklären. Mehrmals verfahren. .....Endlich war es geschafft.
Aber was war dass....? Nach 7 Tagen fast Einsamkeit nun im Bahnhof ca.2 Millionen hektische, schubsende und drängelnde Menschen. Dazwischen ich, völlig durchnässt und verschlammt. Aber am Ziel (13 Uhr).
Rückfahrt nach Gotha mit der Bahn.



  • Zusammenfassung


Es war sehr schön! Falls ich die Elbe- Radtour noch einmal mache, dann in die andere Richtung, damit der Wind auch mal von hinten kommt. Meine Überlegung war, dass es von Bad Schandau nach Hamburg ja logischerweise bergab geht. Aber der sehr geringe Höhenunterschied von ca. 150m über die gesamte Strecke macht sich nicht bemerkbar. Was man allerdings merkt, ist der Gegenwind, der einem fast ununterbrochen von Norden her das Radlerleben schwer macht.
Im Vergleich zur Saale- Radtour war es einfacher zu fahren, da es kaum nennenswerte Steigungen gibt (außer um Hitzacker) und die Radwege besser als an der Saale ausgebaut sind. Die Saale- Radtour ist sehr anstrengend dafür aber landschaftlich abwechslungsreicher.
Die Beschilderung der Elbe- Radtour muss aber verbessert werden, besonders in den großen Städten. Ich kann diese Radtour nur empfehlen. Wem die gesamte Tour zu lang ist, kann auch einzelne kürzere Abschnitte fahren. Besonders schöne Abschnitte sind die Sächsische Schweiz und das Gebiet um Havelberg.
Welche Tour ich im nächsten Jahr mache weiß ich noch nicht. Vielleicht kann mir ja mal jemand seine Erfahrungen mit anderen Flusstouren mitteilen.
Dafür schon mal vielen Dank.

Michael Lindemann